Kommunale Gesundheitsarbeit

Mit der kommunalen Gesundheitsarbeit in Rojava und Nordsyrien hat die Stiftung der freien Frau 2015 begonnen. Zu diesem Zeitpunkt war das Gesundheitswesen in Folge des Krieges sehr schwach ausgestattet. Viele Menschen können sich bis heute weder medizinische Behandlung noch Medikamente leisten. Aus diesem Grund bleiben selbst leichte Krankheiten unbehandelt, die Symptome verschlechtern sich und können zu einer ernsten Belastung für die Menschen führen. Ärzt*innen sind bei Angriffen auf Gesundheitseinrichtungen oder im Rettungseinsatz ums Leben gekommen, andere sind vor dem sich ausbreitenden Krieg aus Nordsyrien geflohen, zudem hat das syrische Regime den Betrieb von einigen Krankenhäusern eingestellt. Die verbliebenen Ärzt*innen waren und sind mehr als ausgelastet, denn die Verantwortung für die Gesundheit der Bevölkerung liegt auf den Schultern von wenigen. Die zusätzliche hohe psychische Belastung der Menschen und der Mangel an Heizmittel besonders in den Wintern von 2012 bis 2015 führten zu einer gestiegenen Zahl von Erkrankungen. Durch die Inflation und das strikte Embargo kommt es weithin zur Unterversorgung vieler Menschen und mit den Geflüchteten aus syrischen und irakischen Kriegsgebieten drohte zeitweilig die Ausbreitung von Epidemien.

Frauen aus mehreren Stadtteilen in Qamishlo trugen an die Stiftung der freien Frau in Syrien das Anliegen einer bezahlbaren Gesundheitsversorgung für sich und ihrer Kinder heran. Die Kombination aus Mangel an Wissen und fehlenden finanziellen Mitteln für eine Behandlung setzte viele Mütter unter enormen Stress.

Die Stiftung führt seitdem in Kooperation mit den Frauenkommunen und dem Ärzt*innenverband folgende Arbeiten durch:

  • Wir organisieren Gesundheitsseminare zu verschiedenen Gesundheitsthemen, wie Umgang mit Diabetes, Herz- oder Nierenleiden, Epilepsie, Folgen von traumatischen Erlebnissen, z.B. im Krieg oder auf der Flucht etc. In den Seminaren werden Krankheiten, Symptome und Folgen erläutert. Im Anschluss können die Teilnehmerinnen die Krankheiten besser erkennen und einschätzen, wissen sie, wann eine Ärztin oder einen Arzt konsultiert werden muss. Sie lernen aber auch wie sie im Alltag die Betroffenen über Ernährung, Bewegungsangebote, Medikamentengabe und auch psychologisch unterstützen können.
  • Die Ausbildung zur Gesundheitsmitarbeiterin (an 45 Tagen je drei Stunden) ist ein erweiterter Erste-Hilfe-Kurs. Die Frauen können anschließend Krankheiten erkennen und ihren Verlauf einschätzen, Kranke zu Hause mit ärztlicher Unterstützung pflegen, bei Unfällen und Verletzungen erste Hilfe leisten, Spritzen setzen, Infusionen und Verbände anlegen.
  • Neben den Seminaren und Ausbildungen von Frauen werden Frauengesundheitszentren aufgebaut. Kleine Zentren in denen eine kostenlose Versorgung von Kranken, medizinische Kontrollen, Medikamentenvergabe sowie Gesundheitsseminare stattfinden. In größeren Frauengesundheitszentren werden zudem Sportkurse und psychologische Beratung angeboten.

Mit der kommunalen Gesundheitsarbeit wurden zunächst in Qamishlo und Serê Kaniyê begonnen. Seit 2017 wird diese Arbeit auch in den Städten Derîk, dem Dorf Tepke im Kreis Derîk und Girkê Legê aufgebaut. Hinzu kommt die Arbeit in den Flüchtlingscamps. Mit dem (Aus-) Bildungsangebot werden Frauen in ihrer Selbstbestimmtheit und Selbsthilfefähigkeit gestärkt. Das Thema Gesundheit wird in der Gesellschaft zunehmend nachhaltig und ganzheitlich diskutiert und Prävention erhält einen wichtigen Stellenwert.

Im Rahmen der kommunalen Gesundheitsarbeit wird Frauen Grundlagenwissen zu wirtschaftlichen, gesundheitlichen und psychologischen Aspekten zugänglich gemacht, das Monopol auf medizinisches Fachwissen aufgebrochen und gleichzeitig die verbliebenen Ärzt*innen deutlich entlastet. Parallel dazu hat sich in den Kommunen die Position von Frauen positiv verändert. In ihren Frauenkommunen haben sie die Verantwortung für die Gesundheitssorge ihrer Kommune übertragen bekommen. Sie unterstützen Familien mit Kranken, Pflegebedürftigen oder Verletzten in ihrer Nachbarschaft.

Das Projekt wurde wesentlich durch die Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands Bistum Trier und die Arbeiten in den Flüchtlingslagern durch den Weltgebetstag der Frauen in Deutschland finanziell unterstützt. Seit Ablauf der Projektförderungen wird das Projekt aus Stiftungsmitteln finanziert.